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der Reformpädagogik? Isa Lange, Hildesheim
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Reform
– nicht Reparatur – scheint das Schlagwort einer sich wandelnden,
weiterentwickelnden Schule zu sein. Erstmals postulieren (Reform-) Pädagogen
und Kunsterzieher mit Beginn des 20. Jahrhunderts, dass das werdende Kind,
das Subjekt und dessen freie, selbsttätige Entfaltung in das Zentrum des
pädagogischen Denkens zu rücken hat. Ellen Key ruft „das Jahrhundert
des Kindes“ aus. Wir
leben im 21. Jahrhundert. Das Menschenbild, die Gesellschaft, die Schule,
die Kunst, das Kind haben sich verändert. Wie verhält es sich nun mit
den reformpädagogischen Impulsen, die u.a. aus der Zeit des beginnenden
20. Jahrhunderts stammen? Gibt es Impulse der Reformpädagogik für den
Kunstunterricht und lassen sich diese eins-zu-eins übertragen? Oder
sollten die scheinbar verstaubten Konzepte des vergangenen Jahrhunderts in
den Hallen der Museen verweilen? Im
Kontext aktueller Schulreform fand an der Akademie der Bildenden Künste München
ein zweitägiges Symposion „Kunst, Individuum und Gesellschaft. Impulse
der Reformpädagogik für den Kunstunterricht“ statt – konzipiert von
Johannes Kirschenmann und Carl Mirwald. Aus unterschiedlichen Disziplinen
konnten 13 Referenten verschiedener Generationen und Positionen gewonnen
werden. Gefördert wurde das Symposion von der Friedrich Stiftung, dem
Kultur + Schulservice KS:MUC, c/o PA/Spielkultur e.V. und dem BDK e.V. LV
Bayern. Metaphorisch
untermalt erläuterte der Münchner Hochschullehrer Stephan Dillemuth
anschließend jedoch das chancenreiche Scheitern der (reformpädagogischen)
Schiffe und fokussierte den Blick auf das Strandgut. Wie lässt sich mit
dem Scheitern umgehen? Welche Impulse, welche Strandgüter sind
aufzugreifen, zu hinterfragen, weiterzudenken? Dillemuth plädierte für
ein eingreifendes Erforschen des Strandgutes mit künstlerischen Methoden
– ein Beitrag der für sein Plädoyer für List und Subversion
deutlichen Zuspruch erfuhr. Für eine kritische Sichtung der reformpädagogischen
Bewegung, deren Ertrag im provozierenden, irrationalen Element liege, plädierte
Katharina Küstner, Leipzig. Gegenwärtig werden jedoch realistische,
Verantwortungsübernahme einfordernde kunstpädagogische Konzepte ersucht.
Der
zweite Tag des Symposiums wurde mit Gedanken zum kritischen Erbe der
Kunsterzieherbewegung eröffnet. Helene Skladny, Berlin, sah die Chancen
eines kritischen Erbes in der Entmythologisierung. Die Annahme, dass alle
Kinder von der ersten bis zur Abschlussklasse eigenes schöpferisches
Potenzial und Drang zur Persönlichkeitsentfaltung haben, sei weder heute
noch historisch begründbar. Falsch sei es auch, die mythischen Heilsgesänge
der Kunsterziehungsbewegung unbesehen
in die heutige Zeit zu adaptieren. Da
erscheinen die aktuellen, an der reformpädagogischen Bewegung anknüpfenden
– nicht staatlichen – Schulen wie idyllische, heile und vor allem
funktionierende Systeme in der großen bösen Welt. Aktuelle reformpädagogische
Schulkonzepte – fast
allesamt in der Natur verankert – zeigen, wie Kunst und Kinder
zueinander finden können, und welche umfangreichen Rahmenbedingungen an
den Reformschulen existieren. Während
des Symposions schienen sich einige resignative Momente einzuschleichen,
die auf der Polarisation von Reform- und Staatsschule beruhten. Gilt
nun die Devise: Reform der Reform? Müssten demnach die Gedanken der
Reformpädagogen modifiziert und weitergedacht werden, damit pädagogische
Konzepte einem zeitgemäßen Menschenbild entsprechen? Reformpädagogische
Impulse können – sofern nicht adaptiert, sondern transformiert – den
Antrieb für schulpolitisches Denken liefern. Im
Fazit des Symposiums wurde die Forderung nach einer Kräftigung der
Staatsschule und dort der künstlerisch-kulturellen Bildung laut. Ist es
doch die schulbezogene Bildungspolitik, die seit PISA dem Wahn verfallen
ist, so genannte Kernfächer – zu Lasten künstlerisch-kultureller
Bildung – zu stärken. Viele der reformpädagogischen Impulse sind längst
Allgemeingut – wenn sie denn ange-wendet
werden.
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